05.01.2026

So bleiben Sie regelkonform im Umgang mit US-Zöllen und senken Ihre Abgabekosten

Zentrale Methoden für Kosteneinsparungen im Rahmen der US-Zollvorschriften

Der internationale Handel unterliegt einem rasanten Wandel, wobei die jüngsten Anpassungen der US-Zölle zu den bedeutendsten Veränderungen für globale Lieferketten zählen. Die Einführung neuer oder erhöhter Abgabensätze sowie verschärfte Kontrollen können die Gesamtkosten erheblich steigern, Beschaffungsstrategien beeinträchtigen und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen mit US-Importen schwächen. 

 

Vor diesem Hintergrund evaluieren Unternehmen gezielt Strategien zur Kostensenkung, um finanzielle Belastungen abzufedern und gleichzeitig die Einhaltung aller Zollvorschriften sicherzustellen. 

 

Mit den richtigen Ansätzen lassen sich nicht nur Kosten reduzieren, sondern auch die Resilienz und Flexibilität der Lieferketten nachhaltig stärken. Nachfolgend sind die wichtigsten Maßnahmen aufgeführt, um im Zuge der US-Zollregularien regelkonform zu agieren und die operativen Prozesse zu optimieren.

 

1. Prüfung der HS-Codierung zur Anwendung der korrekten Zolltarifierung und Abgabensätze

 

Jedes in die USA eingeführte Produkt muss gemäß dem US Harmonized Tariff Schedule (HTS) mit einem spezifischen 10-stelligen Code klassifiziert werden, der die Höhe der fälligen Abgaben bestimmt. Fehler bei der Einstufung können zu überhöhten Zahlungen oder Sanktionen führen. 

 

Durch eine detaillierte Produktanalyse und im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben lassen sich gegebenenfalls Tarifkorrekturen vornehmen, die zu erheblichen Einsparungen führen können.

 

Praxisbeispiel: 25% Kostenersparnis für einen Verpackungshersteller

Nach Einführung neuer Zölle setzte ein europäischer Verpackungsmaschinenhersteller seine Exporte in die USA zunächst aus. GEODIS führte eine umfassende Prüfung der Produktklassifizierung durch und stellte die volle Einhaltung der Zollvorschriften sicher. Dank einer Reklassifizierung konnten die Exporte wieder aufgenommen und die Abgabenlast um mehr als 25% gesenkt werden.

 

 

2. Management der US-Zollbürgschaften und Optimierung von Zahlungsaufschüben

 

In den USA sind Zollbürgschaften (Customs Bonds) als finanzielle Sicherheiten erforderlich und werden von der US-Zollbehörde (CBP) in Abhängigkeit der innerhalb von 12 Monaten gezahlten Abgaben berechnet. Unerwartete Zollanhebungen können dazu führen, dass bestehende Bürgschaftsrahmen überschritten werden, was zu Verzögerungen oder Unterbrechungen bei der Importabwicklung führen kann. 

 

Um Engpässe bei der Zollabfertigung zu vermeiden und einen reibungslosen Importprozess sicherzustellen, ist eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Bürgschaftshöhe unerlässlich. GEODIS unterstützt Unternehmen dabei, Importvolumina und Abgabenentwicklungen kontinuierlich zu überwachen und erforderliche Anpassungen vorzunehmen.

  

 

3. Nutzung der Vorteile von US Foreign Trade Zones (FTZ)

 

US Foreign Trade Zones bieten Unternehmen die Möglichkeit, ihre Liquidität zu verbessern, indem Zölle aufgeschoben werden: Die Zahlung der Einfuhrabgaben erfolgt erst, wenn die Waren tatsächlich in den US-Wirtschaftskreislauf überführt werden. Darüber hinaus kann durch den Einsatz von FTZs die Merchandise Processing Fee reduziert werden, was einen wirkungsvollen Hebel zur Senkung der operativen Kosten darstellt. 

 

FTZs sind insbesondere für Unternehmen mit hohem Importvolumen oder für Hersteller mit komplexen Lieferkettenstrukturen besonders vorteilhaft. Für global agierende Unternehmen bieten sie beim Handel mit den USA erhebliche finanzielle und operative Mehrwerte.

 

 

4. Anwendung der „First Sale“-Regel zur Reduzierung der Zollbemessungsgrundlage

 

Die Methode der Zollwertermittlung ist maßgeblich für die Höhe der anfallenden Einfuhrabgaben. Unter bestimmten Voraussetzungen können US-Importeure die sogenannte „First Sale“-Regel anwenden. Diese ermöglicht es, den deklarierten Warenwert auf die ursprüngliche Transaktion zwischen Hersteller und erstem Zwischenhändler zu stützen – und nicht auf den höheren Einkaufspreis des Importeurs. Dadurch lässt sich der zollpflichtige Warenwert und somit die Gesamtbelastung durch Einfuhrabgaben deutlich senken.

 

Praxisbeispiel: Zolleinsparungen für ein IT-Unternehmen 

Nach Einführung neuer US-Zölle unterstützte GEODIS ein Technologieunternehmen bei der Anwendung der First Sale Rule für dessen Importe. 

Das Unternehmen konnte dadurch den deklarierten Importwert sowie die insgesamt gezahlten Zölle reduzieren.

 

 

5. Diversifizierung der Lieferkette zur Risikominimierung

 

Die Diversifizierung von Bezugs- und Produktionsstandorten ist eine langfristige Strategie zur Begrenzung der Auswirkungen von US-Zöllen. Viele Unternehmen prüfen derzeit Nearshoring-Optionen sowie die Beschaffung in Ländern mit vorteilhaften Handelsabkommen, um ihre Lieferketten neu auszurichten und die Abhängigkeit von Ländern mit hohen Zollsätzen zu minimieren. Auch wenn die Umsetzung solcher Maßnahmen in der Regel 12 bis 24 Monate in Anspruch nimmt, verringern sie die Abhängigkeit von einzelnen Ursprungsländern und reduzieren das Risiko durch gezielte Zollmaßnahmen.

 

6. Nutzung der Ursprungsregeln des USMCA zur Senkung der Importkosten

 

Im Handel mit Kanada und Mexiko eröffnet das United States–Mexico–Canada Agreement (USMCA) Möglichkeiten zur Senkung oder Befreiung von Einfuhrabgaben, sofern die Produkte die spezifischen Ursprungsregeln erfüllen. 

 

Die Bewertung der USMCA-Konformität für Produkte erfordert in der Regel eine sorgfältige Prüfung der Zolltarifierung sowie die Sicherstellung der Einhaltung der Ursprungs- und Nachweiskriterien. Eine lückenlose Dokumentation ist dabei unerlässlich; Unternehmen müssen die Zertifizierungsanforderungen erfüllen, um ihre Berechtigung für präferentielle Zollvorteile zu belegen.

 

Zollvorbereitung und Compliance als strategischen Vorteil nutzen

Jedes Unternehmen sollte seine Lieferkette, sein Produktportfolio und seine Handelsstrategie analysieren, um die wirksamsten Hebel zur Steuerung der Zollbelastung und zur Vorbereitung auf US-Zolländerungen zu identifizieren. Ein proaktiver, compliance-orientierter Ansatz – unterstützt durch Expertenwissen – kann Herausforderungen in echte Chancen verwandeln. 

 

Durch die Umsetzung rechtlich konformer Optimierungsmaßnahmen können Organisationen Kosten effizienter steuern, den Cashflow verbessern und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.

 

 

 

GEODIS unterstützt Unternehmen in jeder Phase dieser Reise – von der Risikobewertung und strategischen Planung bis zur Implementierung effizienter und rechtskonformer Zolllösungen. Mit umfassender Expertise und transparenter Prozessgestaltung ermöglichen wir es Unternehmen, sich erfolgreich in einem dynamischen Handelsumfeld zu positionieren und ein langfristiges, nachhaltiges Wachstum zu erzielen.

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Florence Molinari

Senior Vice president, Global Customs Brokerage Product

Florence Molinari ist derzeit Senior Vice President für das globale Customs Brokerage Produkt bei GEODIS Freight Forwarding. Sie verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in internationalen Führungspositionen und Supply-Chain-Umgebungen, insbesondere in den Bereichen Einkauf, Audit, Betrieb sowie Zoll- und Handels-Compliance. Mit ihrer Expertise für komplexe und innovative Zolllösungen unterstützen Florence und ihr Team das Wachstum der Kunden und die Einhaltung regulatorischer Anforderungen.